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Besetzung – Ressourcen

Genehmigt heißt nicht besetzt.

Ein Plan wird beschlossen, ein Budget freigegeben, eine Liste priorisiert – und dann stellt sich heraus, dass die drei Leute, die es könnten, bis März in anderen Vorhaben stecken. In der Oper würde das niemandem passieren. Dort weiß ein Zimmer ohne Foyer seit Monaten, wer im November wo steht, und dieses Zimmer wird gefragt, bevor der Spielplan gedruckt wird. In den meisten Organisationen wird es hinterher informiert.

Das Zimmer, das über die Spielzeit entscheidet

Im Frühjahr wird der Spielplan verkündet. Acht Premieren, zwei Wiederaufnahmen, eine Uraufführung, Applaus im Foyer, am Morgen hängen die Plakate. Drei Türen weiter sitzt jemand mit einem Kalender und weiß seit Wochen, dass zwei dieser Produktionen so nicht stattfinden werden. Nicht wegen des Geldes. Wegen einer Sängerin, die im November woanders singt.

Dieses Zimmer heißt Besetzungsbüro. Es hat kein Foyer, keine Premierenfeier und noch nie eine eigene Pressemitteilung bekommen – und es weiß mehr über die kommende Spielzeit als das Plakat. In Organisationen heißt dasselbe Zimmer Ressourcen-Management, und es wird genauso behandelt: als Verwaltung hinter der Entscheidung statt als Quelle davor.

Diese Reihe dreht die Reihenfolge um. Sie handelt davon, warum eine Priorisierung ohne Ressourcenbild eine Wunschliste mit Rangfolge ist, warum drei Entwickler nie drei Entwickler sind und was passiert, wenn eine Zuteilung durch Ansage ersetzt wird. Und sie handelt von einer Möglichkeit, die im Projektalltag fast nie auf dem Tisch liegt: nicht die Besetzung zu ändern, sondern die Partie.

Sieben Geschichten, die jeweils einen Aspekt dieses Themas behandeln. Alle sind als Artikel und als Podcast verfügbar und erscheinen in den nächsten Monaten schrittweise hier.

Neun Texte


Aus «Ein halber Ton nach unten»

Leseprobe

Mozart hat nicht den Sänger ausgetauscht. Er hat das Stück ausgetauscht.

Für die Wiener Aufführung des «Don Giovanni» im Mai 1788 stand Francesco Morella als Ottavio zur Verfügung, und mit «Il mio tesoro» kam er nicht zurecht. Mozart schrieb daraufhin «Dalla sua pace» – heute eine der schönsten Nummern der Partitur. Die Anpassung war nicht die Notlösung. Sie war die bessere Version.

Wer eine Rolle nicht besetzen kann, hat drei Wege: länger suchen, teurer einkaufen oder anders zuschneiden. Der dritte kommt selten zur Sprache, weil er nach Nachgeben aussieht – dabei ist er meist der schnellste. Der Text zeigt, wo er trägt, und ebenso deutlich, wo er aufhört: Wer die Partie so lange kürzt, bis sie jeder singen kann, hat kein Werk mehr, sondern ein Medley.

Lesen sie auch die Kolumne «Die falsche Besetzung»